Plants at work. Pflanzen im Büro

Bei Miriam Köpf und ihrem Designstudios Phyllis - plants and people ist der Name Programm. In der antiken Mythologie verwandelte sich schöne Phyllis in einen blattlosen Mandelbaum, der erst dann Blätter trieb, als ihr Geliebter Demophon zurückgekehrt ist.

Heute ist es anders: Liebe Miriam, warum treiben wir besonders dann kreative Blüten, wenn wir von grünen Blättern umgeben sind?

Es ist nachgewissen, dass wir ruhiger und gelassener werden, wenn wir Pflanzen betrachten. Ich denke, im Großen und Ganzen ist das etwas ganz Ursprüngliches und deshalb fühlen wir uns mit Pflanzen in der Arbeitsatmosphäre auch so wohl. Wir bauen einfach wieder eine Verbindung zur Natur auf.

Du sagst selbst von dir, dass du dich Greenterior-Designer bist. Wie war dein Werdegang?

„Mit Natur in den Händen arbeiten“ ist wohl mein beruflicher roter Faden. „Greenterior“ ist ein Wortspiel, das mir 2016 eingefallen ist, als ich meinen ersten Pop-up Store Phyllis in Stuttgart eröffnet habe. Eigentlich bin ich gelernte Schreinerin und Produktdesignerin. Was mich immer begleitet hat, war, dass ich lieber mit den Händen gearbeitet habe als nur vor dem Computer zu sitzen. Auch als ich in einer Agentur angestellt war, habe ich mich am liebsten mit Modellbauten und 1:1 Aufbauten beschäftigt. Heute liebe ich besonders den Prozess, mit Pflanzen zu planen, in Gärtnereien meine Pflanzen zusammenzustellen, die Gefäße auszuwählen, die Pflanzen einzusetzen und vor Ort auszurichten.

Da kommen wir schon zu einem guten Punkt: Planung mit Pflanzen und Pflanzen als Deko – was ist der Unterschied?

Pflanzen sind Deko, wenn wir zum Beispiel an die kleine Pflanze denken, die auf dem Schreibtisch steht. Damit ist die kleine Schreibtischpflanze ein klassisches privates Thema. Ich habe die Pflanze entdeckt, bringe sie mit ins Büro und kümmere mich darum. Natürlich ist etwas Dekoratives mit Pflanzen leicht umzusetzen. Die Planung mit Pflanzen ist ganzheitlicher und dreht sich um die räumliche Arbeit und auch um Verantwortung und darum, dass Pflanzen fest zum Büro gehören. Hier geht es auch nicht um vereinzelte Elemente, sondern um gesammelte Pflanzenorte. Deshalb ist es bei Greenterior-Design auch wichtig, sich vorab zu fragen, ob der Wunsch von Seiten der Büronutzer:innen überhaupt da ist, sich auch um die Pflanzen auch zu kümmern. Denn hier gehören die Pflanzen zur Büro-Gemeinschaft.

Was sind in deinen Augen denn die Herausforderungen bei der Begrünung von luftigen Großraumbüros und kleinen Büroräumen für mehrere Personen?

Ich versuche immer, zentrale Pflanzenorte zu schaffen und nicht zu kleinteilig zu werden. Sonst wird es schnell wieder rein dekorativ. Deshalb arbeite ich am liebsten dort mit Pflanzen, wo auch ein Gemeinschaftsbereich ist: Zum Beispiel eine Lounge, ein Meetingraum, ein Kantinenbereich. Hier können sich die Pflanzen auch besser entfalten. Denn wenn wir ehrlich sind, konkurrieren sie in kleinen Büros mit den Menschen um Tageslicht: Die Schreibtische sind so ausgerichtet, dass die Menschen aus dem Fenster sehen können. Und diesen Ort lieben auch Pflanzen. In kleinen Büros muss man sich also die Frage stellen, wo man die Pflanzen dann am besten Platzieren kann, ohne in direkte Konkurrenz zu treten. Ein Sideboard am Fenster ist zum Beispiel immer eine gute Lösung für beide Seiten.

Wenn wir unsere Liebsten besuchen, bringen wir gerne Schnittblumen mit – egal ob zum Geburtstag, zu einer Feier oder auch einfach nur so. Sind geplante Pflanzenarrangements auch eine Wertschätzung des Arbeitgebers gegenüber der Mitarbeiter:innen?

Auf alle Fälle. Schauen wir mal auf die Corona-Situation, wo wir gerade eine Trendwende feststellen: Unternehmen freuen sich, wenn ihre Angestellten wieder zurück ins Büro kommen, sie möchten den Austausch und die Verbindung wieder stärker fördern. Geplante Pflanzenarrangements haben da natürlich die Aufgabe, Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiter:innen zu zeigen und drücken aus: „ich investiere in das Büro, ich möchte, dass ihr euch wohlfühlt“

Welche Räume würdest du unglaublich gerne mal mit Pflanzen ausstatten?

Mir ist einfach wichtig, dass die Atmosphäre gut ist, daher eine gute Frage. Tatsächlich habe ich gar keinen speziellen Wunsch. Es ist vielmehr so, dass ich einen Raum betrete und sofort unter dem Aspekt betrachte, wo Pflanzen eingebunden werden könnten. Auch zum Beispiel in Innenräumen von Kirchen: Hier könnte man wunderschön mit großen Pflanzen arbeiten.

Immer mehr Möbelhersteller, wie USM Haller entdecken die Möglichkeit, Pflanzen direkt in Büromöbel zu integrieren. Warum eigentlich erst jetzt?

Ich finde es natürlich außerordentlich gut, dass in dem Bereich so viel passiert. Bei diesem Hersteller hat mich tatsächlich weniger überrascht, dass sie jetzt damit starten, Pflanzen in ihre Möbelstücke zu integrieren. So erschließen sich schließlich auch eine neue Zielgruppe. Vielmehr hat mich überrascht, wie sie es machen: Die Möbelstücke mit Chrom und hochglänzenden Materialien werden mit Pflanzen in Terracotta-Töpfen kombiniert. Einen größeren Materialkontrast gibt es wohl kaum. Aber ich mag es.

Wie kann ich selbst mit wenigen Schritten für eine lebendigere Atmosphäre im Büro sorgen dank Pflanzenarrangements?

Zuerst sollte man sich entscheiden, ob man Pflanzen in Erde oder in Hydrokultur anschafft. Hydrokultur hat einige Vorteile, da die Pflanzen pflegeleichter sind und auch weniger anfällig für Schädlinge. Am besten, man schaut sich mal einige Gärtnereien an, die auf Hydrokultur spezialisiert sind. Dann kann man natürlich auch viel mit Gefäßen arbeiten und damit einen individuellen Touch verleihen, der ins Büro und zu den Menschen dort passt. In meinem Buch stelle ich auch Pflanzenkombinationen vor, die in ihrer Gruppierung besonders gut zusammenpassen, weil sie optisch miteinander harmonieren und auch dieselben Bedürfnisse haben, was Licht und Wasser betrifft.

Zu guter Letzt: Hast du eigentlich eine Lieblingspflanze?

Schwierig…. Eine ganz bestimmte Pflanze nicht, aber ich finde alles faszinierend, was aus dem Bereich Dschungel kommt, wie zum Beispiel Monsteras. Ich liebe Pflanzen, die sich ranken und ihr eigenes Leben entwickeln und dabei relativ unkompliziert sind. Spezielle Vorlieben wechseln auch. Eine Zeitlang fand ich Begonien unglaublich spannend mit ihren , unregelmäßigen, gepunkteten Blättern. Dann wieder den Geweihfarn mit seinen türkisen, saftigen, fast fleischigen Blätter. Ich würde sage, bei der Frage bin ich „unentschieden für alle“.

Liebe Miriam, vielen Dank für das Interview und deine Zeit!

Plants at work

SBN: 978-3-89986-346-8

Sprache: Englisch

Erscheinungsjahr: 2021

Seiten: 208

Einband: Hardcover mit Leinen und Lesebändchen

Abbildungen: 160 Fotos und Illustrationen

Format: 17 × 24 cm

Foto Credits:

0, 4, 9 Pia Schwisser

1 Stefan Hohloch

2, 5, 6,7  Sarah Weiselowski

3, 8  Gordon Koelmel

 

 

 

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